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Foto: Kirchenzeitung.de

Das Kreuz über uns legen

Bereits seit einem Jahr sind die Weihwasserbehälter an den Eingängen unserer Kirchen leer. Das so vertraute Ritual, zwei Finger in das Weihwasser zu tauchen und damit uns mit einem Kreuz zu zeichnen, entfällt für viele. Man ist ja damit beschäftigt, die Hände unter den Dispenser zu legen, um sich mit der daraus fliessenden Flüssigkeit die Hände zu desinfizieren. So manches entfällt oder ändert sich in dieser schwierigen Zeit der Pandemie. Umso wichtiger, dass wir uns darüber Gedanken machen, was wir weiterhin behalten wollen, was uns wichtig ist und bleiben soll. Dazu müssen wir unser Verhalten, unsere Gewohnheiten, unsere Rituale reflektieren. Was bedeutet mir denn das Kreuzzeichen, was drückt es überhaupt aus?

Ein Erkennungszeichen

Wussten Sie, dass das Kreuzzeichen ein Erinnerungszeichen ist? Es soll uns daran erinnern, dass wir „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft sind. Es soll spürbar machen, dass auch damals Wasser verwendet wurde. Es soll uns daran erinnern, woran wir glauben, nämlich an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Vorzugsweise sollte das Weihwasserbecken und das Taufbecken eines und dasselbe sein und beim Eingang in die Kirche stehen.

An der katholischen Kirche schätze ich den Reichtum an sichtbaren Zeichen. So auch am Kreuzzeichen. Es ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern auch ein Vollzug. Mit der rechten Hand, für die meisten die Tathand, berühre ich meinen Kopf (Sitz des Verstandes), die Mitte meines Körpers (Sitz der Gefühle) und die Schultern (Sitz der Taten). Mein Denken, mein Fühlen und mein Tun sollen unter dem Kreuz, dem Schutz, dem Heil Gottes stehen. Mein Glaube, das in der Taufe grundgelegt wurde, soll sich zeigen in Kopf, Herz und Hand.

Was Romano Guardini zum Kreuzzeichen sagt

Romano Guardini, der grosse Religionsphilosoph, hat sich intensiv mit unseren Glaubenszeichen auseinandergesetzt. So schreibt er zum Kreuzzeichen:

„Du machtst das Zeichen des Kreuzes, machst es richtig. Kein hastiges, verkrüppeltes, bei dem man nicht weiss, was es bedeuten soll, sondern ein richtiges Kreuzzeichen, langsam, gross, von der Stirn zur Brust, von einer Schulter zur anderen. Fühlst du, wie es dich ganz umfasst? Darum machen wir es vor dem Beten, damit es uns ordne und sammle, Gedanken und Herz und Wille in Gott fasse. Nach dem Gebet, damit in uns bleibe, was Gott uns geschenkt hat.“

 

Lein perquei metter la crusch sur nus, buca sco buordi, mobein sco segn da protecziun, forza e speronza.

Flurina Cavegn-Tomaschett

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