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Ein Monat mit vielen M’s

Monat Mai – meins matg, Marienmonat, Muttertag – di dalla mumma… es scheint eine Zeit des Buchstaben „M“ zu sein. Es scheint aber auch ein Monat des Weiblichen zu sein. Das kommt nicht von ungefähr, denn der Mai mit seiner Naturkraft bringt Leben hervor, lässt die Knospen erblühen, trägt zum Wachstum bei. Leben, Knospen, Blumen – dies alles sind weibliche Ursymbole.

Dass im Monat Mai die Gottesmutter im Zentrum der Volksfrömmigkeit steht, findet ihren Ursprung im Zusammenhang mit der Natur. Maria wird in der christlichen Spiritualität als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings angesehen.

Dass auch der Muttertag im Monat Mai gefeiert wird, ist naheliegend. Was es heisst, Leben in sich zu tragen, Leben, das heranwächst, weiss nur eine Mutter. Wir Mütter durften, ähnlich wie Maria, das Geschenk des Lebens in uns tragen und es in uns wachsen lassen. Eine meiner Lieblingsstellen der Bibel lautet:

Gott, du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoss meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.
Pilver, ti Segner has scaffiu miu pli intern, has tessiu mei el best da mia mumma. Jeu engraziel a ti che jeu sun vegnius scaffius ton marviglius.  (Ps 139,13)

Gott, der Weber oder auch die Weberin! Der Dichter des Psalms 139 sieht im Entstehenlassen des Menschen eine aus der Tradition sehr weibliche Tätigkeit: das Weben. Dieses Bild gefällt mir ausserordentlich gut, denn es zeugt von Kreativität, Handwerk, Schöpferkraft und Individualität. Gott webt meinen Lebensfaden zu meinem je eigenen Lebensstoff. Und das bei jedem Menschen in einer einzigartigen Art und Weise.

Das Bild von Gott als Weber/Weberin lässt mich einmal mehr bewusst werden, dass Gott nicht männlich oder weiblich gedacht werden darf. Er soll nicht auf ein menschliches Geschlecht reduziert werden. Wenn wir Gott gemäss der Tradition „Vater“ nennen, so ist er uns nicht nur Vater, sondern auch Mutter. Wie wäre es damit, im Monat Mai, zu Ehren aller Frauen und Mütter, das Gebet des Herrn folgendermassen zu beginnen:

„Du Gott, bist mir Vater und Mutter im Himmel. Geheiligt werde dein Name…“ Das wäre, meiner Ansicht nach, ein wunderbares Muttertagsgeschenk.

Flurina Cavegn-Tomaschett

 

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