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Juni / zercladur

Der Monat Juni ist genannt nach der römischen Göttin Juno. Im Lateinischen heisst dieser Monat „mensis iunius“ Davon haben viele Sprachen ihre Bezeichnung des 6. Monats abgeleitet.

 

Il Romontsch ha in num genuin per quei meins. Nus numnein el „zercladur“. Quei plaid ha siu origin en ina societad agricola. Duront quellas jamnas vevi num da liberar la giuvna semenza dil zerclem, per ch’ella possi crescher e purtar fretg. En orts ed sin ers catscha gie sper las plontas che nus vein semnau ni plantau, da tuttas sorts verduras da pauc ni negin nez. E quellas creschan magari schi ferm ch’ellas stinschentan in bien sem.

 

Die romanische Bezeichnung für den Monat Juni erinnert an eine Tätigkeit, die in diesen Wochen allgegenwärtig ist: das Jäten. Denn mit der guten Saat, die zu spriessen und zu wachsen beginnt, wuchert allerlei Unkraut. Und dieses wächst manchmal schneller wie die guten Pflanzen, die uns Nahrung schenken. Darum gilt es, die junge Saat vom Unkraut zu befreien, um ihr genügend Raum und Licht zum Wachsen zu bereiten.

Das Jäten kann auch im symbolischen Sinn verstanden werden. Es gibt vieles in uns und um uns herum, was uns einengt, was uns die Luft zum Atmen und den Raum zum sich Bewegen nimmt. Auch hier gilt es, manchmal Unnötiges und Nutzloses zu entfernen, Ballast abzuwerfen und uns so innerlich zu befreien.

 

Der alte deutsche Name für den Juni heisst „Brachmonat“. Auch dieser Begriff stammt aus der Landwirtschaft. Eine Brache ist eine Zeit, wo ein Stück Land unbestellt bleibt, damit es sich regenerieren kann und neue Kraft findet, um die Saat gedeihen zu lassen. Eine solche Brache brauchen wir immer wieder. Denn der Alltag fordert uns manchmal sehr stark. Und hie und da verlieren wir uns in Dingen und Tätigkeiten, die wenig Wert und Nutzen haben. Da wuchert in uns allerlei Unnötiges, das uns behindert und einengt. Eine Brache kann dann heissen, dass wir manchmal bei uns selber einkehren, in Ruhe unser Tun bedenken und da und dort auszujäten. Solche Momente sind Quellen neuer Kraft für die Bewältigung unseres Alltags.

 

So wünsche ich uns allen im Juni die Bereitschaft, uns zwischendurch eine Brachzeit zu schenken, uns äusserlich und innerlich von Unnötigem und Nutzlosem zu befreien und so neue Kräfte zu sammeln.

Sur Alfred Cavelti

 

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