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Neugier – Aufmerksamkeit – Interesse

Wenn ich in diesen Tagen unterwegs bin durch Wiesen und Felder, treffe ich immer wieder auf Gruppen grasender Kühe. Dabei fällt mir auf: Kühe sind neugierig, aufmerksam und interessiert, was um sie herum geschieht. Manches Tier unterbricht das gierige Zupfen des Grases und schaut interessiert schon von ferne in meine Richtung. Wer kommt denn da daher? Mit unverwandtem Blick starrt mich die Kuh beim Vorübergehen an und schaut mir noch eine Weile nach. Das freut mich jeweils. Doch wenn ich das Tier anspreche, zeigt es keine grosse Reaktion, es bleibt distanziert, aber interessiert.

Wenn ich Menschen unterwegs begegne, dann tauschen wir in der Regel einen Gruss aus. Und mit Bekannten ergibt sich manchmal auch ein kurzes Gespräch. Aber ich begegne auch Menschen, die kaum Notiz nehmen von mir. Sie blicken zur Seite oder schauen in ihr Smartphone. Da ist kein Interesse am Vorübergehenden. Sie wollen nicht gestört werden. Sie möchten für sich sein und machen den Eindruck: Du bist mir nicht wichtig; komm mir nicht zu nahe!

Von den grasenden Kühen können wir durchaus etwas lernen, nämlich Aufmerksamkeit, Interesse, auch eine gesunde Neugier am anderen. Leider geht dies in unserer Gesellschaft immer mehr verloren. Der soziale Kontakt beschränkt sich für manche nur noch auf einen kleinen, privaten Kreis. Man hat seinen kleinen, persönlichen Garten mit einem Zaum drumherum, und was weiter draussen geschieht, ist nicht von Interesse. Der Sinn für das Gemeinwesen schwindet immer mehr. Diese Haltung wurde noch verstärkt durch die Pandemie, wo Kontakte auf ein Minimum reduziert werden mussten. Doch die Gemeinschaft ist ein wichtiger Teil unserer Lebenskultur. Neugierde in einem gesunden, positiven Sinn, also nicht als Kontrolle, sondern als Zeichen von Aufmerksamkeit und Interesse, belebt, bereichert und vertieft das gemeinschaftliche Leben.

Alfred Cavelti, Pfarrer

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