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Spuren im Monat Juni

Wer im Sommer am Strand entlanggeht, kennt das Bild: Fussspuren im Sand. Manche verlaufen nebeneinander, manche kreuzen sich, manche werden von den Wellen wieder ausgelöscht.

Eine bekannte Geschichte erzählt von einem Menschen, der auf sein Leben zurückblickt. Er sieht seinen Lebensweg wie einen Strand. Über weite Strecken erkennt er zwei Spuren im Sand: seine eigene und die Gottes. Doch gerade in den schwierigsten Zeiten seines Lebens entdeckt er nur eine einzige Spur. Enttäuscht fragt er Gott: «Warum hast du mich ausgerechnet dann allein gelassen, als ich dich am meisten gebraucht hätte?»

Da antwortet Gott: «Die eine Spur stammt nicht von dir. In diesen Zeiten habe ich dich getragen.»

Vielleicht berührt diese Geschichte deshalb so viele Menschen, weil sie eine Erfahrung ausspricht, die wir oft erst im Rückblick verstehen. Mitten in einer Krise fühlen wir uns allein, überfordert oder orientierungslos. Erst später erkennen wir Menschen, Worte, Begegnungen oder unerwartete Kräfte, die uns durchgetragen haben.

Spuren erzählen nicht nur davon, wo wir gegangen sind. Sie erzählen auch davon, wer uns begleitet hat. Und manchmal zeigt die eine Spur im Sand nicht Gottes Abwesenheit, sondern seine grösste Nähe.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sommer offene Augen für die Spuren Gottes – am Strand, auf Ihren Wegen und mitten im Alltag.

Flurina Cavegn-Tomaschett, Seelsorgerin

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